Sonntag, 9. März 2008

Blogs als Seismographen

Im Themenfeld "Social Software und Web 2.0: Wikis und Weblogs" bin auf einen sehr interessanten Artikel unter dem Titel "Blogs als Seismographen. In den USA forscht man nach der Bedeutung der politischen Bolgs" in der NZZ gestossen (Neue Züricher Zeitung, Dossier Medien, Seite B5, 29.2.2008). In diesem geht es um die Frage, welche Bedeutung Blogs in der Politischen Szene der USA haben, konkret am Beispiel der Kongressangehörigen. Die drei für mich zentralen Aussagen sind:
  1. Blogs werden gelesen (von älteren Abgeordneten überraschender weise mehr als von jüngeren).
  2. Bolgs dienen dabei in erster Linie dazu, kommende Entwicklungen früh zu erkennen und in das politische Schaffen mit aufzunehmen.
  3. Blogs werden als wesentlich "unglaubwürdiger, parteilicher und unzuverlässiger" eingestuft als klassische Medien. Dies widerspricht gängigen Glaubwürdigkeitsstudien.
Der insgesamt grosse Einfluss von Blogs in den USA auf das politische Geschehen lässt die Entwicklung, welche uns in der Schweiz bevorsteht, vorausahnen. Dennoch kann man nicht davon ausgehen, dass neu auftretende Medien, was Blogs zweifellos sind, die klassischen Medien komplett ablösen (zum Einfluss von neuen Medien in der Schweiz im Kontext der Mediengeschichte: "E-Government: Eine Möglichkeit zur Stärkung der Demokratie in der Schweiz?", 2007").

Die allgemein mit dem Aufkommen von Blogs verbundene Hoffung, dass eine sachlichere und vielstimmigere Meinungsbildung damit verbunden sein wird, teile ich nicht. Denn zum einen kommt es zum so genanntem Cocooning-Effekt (über Interessen und Meinungen/Weltanschauungen definierte und somit fast geschlossene Netzwerke), andererseits bietet der "Zwang" zum Verfassen knapp gefasster Texte kaum Spielraum für eine dezidierte und differenzierte Auseinandersetzung. Daher befürchte ich, dass Schlagworte, denen die jeweilige Klientel zustimmt, weiter an Bedeutung zunehmen werden.
Zusammenfassend komme ich für mich persönlich zu folgendem Schluss: Man kann Blogs gezielt dazu nutzen, künftige Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Jedoch muss man sich bei der Verwertung der Informationen bewusst sein, dass diese im Regelfall nicht nach wissenschaftlichen oder redaktionellen Richtlinien verifiziert wurden.

Interessante Links: Der beliebteste Blog bei Kongressabgeordneten: DailyKos.com (linksliberaler Politblog), für die Schweiz: politik-blogs.ch (ein Aggregator), und meines Wissens der erste bloggende Bundesrat Moritz Leuenberger.

Bin gespannt, wie ihr das seht! Dominic